per aspera ad astra

Claudia Mühlhans

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05.05.2018 - SPRING! Vernissage im Schloss Hungen

 

15.09.2017 - Vernissage in Berlin

 

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Hier können Sie meine Gedichte des Monats nochmal in der Historie lesen.

Januar 2018

Jalousie

Du denkst wirklich,
ich merke das nicht,
wenn sie mit dir spricht
und ihre Locken schüttelt
wie ein Pudel
sein nasses Fell?

Ihre Nase erinnert von der Seite
an Pinocchio
und für ihre Beine
ist jeder Rock
zu kurz.

Durch deine heruntergelassene Jalousie
spähe ich in eure Gemeinsamkeit
und drohe,
dir meine Liebe zu entziehen,
die du nicht mehr willst.

Platzt der Regenbogen eurer Seifenblase,
bleibt ein Schmierseifenfleck,
auf dem du ausrutschst
und dir hoffentlich ein Bein brichst.
Und sie sich den Hals.

(Aus Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber)

 Februar 2018

Weg


Der Zug schwingt
in den Bahnhof ein –
stößt müde Passagiere
hinaus.
Nimmt einen Schwung
neuer Fahrgäste
zu sich,
schreit kurz auf –
und rollt davon.
Mit meinem Sohn.

(Aus Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber)

März 2018

Falls Schiffe verschwänden

Falls Schiffe verschwänden –
und nie mehr
würde man den
schlanken Mast
am Horizont
erblicken –
sollte man
nach Schwimmzeugen
suchen –
so, wie man
mit Flugzeugen
in den Himmel
steigt.

Claudia Mühlhans

 April 2018

Wegstrecken


1.Lange lebte ich in dem Sumpfgebiet,
wo jeder Schritt mich bangen ließ
noch tiefer einzusinken.
Flog der blaue Vogel auf meine Schulter
wurde mein Gang leicht
und der Boden fest.
Deine Hand war immerdar.

2.Wir brachen auf und
meine kleine rote Stute
tänzelte vor Freude.
Das wird ein Ritt
mit wehenden Bändern
fröhlich wie der Sommerwind.

3.Später gehen wir nebeneinander.
Die rote Stute liegt schon längst
am Wegesrand.
Ohne Rühren
siehst du zu ihr hin.

4.Fremde Tiere kriechen durch den Sand.
Berührt man sie
springen sie vor Freude.
Oder Angst.

5.In der Wüste
scheint der Mond
ins Herz.
6.So weit, so offen liegt der Weg.
Wir müssen ihn nur gehen.

7.Schritt für Schritt

6.Steinig ist der Boden,
fest der Grund.

5.Unsere Tiere
weiden
auf zaghaftem Grün.

4.Ein Zelt steht.
Der Wimpel auf der Spitze ruft uns nachhause.
Wind weht
Licht herbei.

3.Er stickt Sterne in den Nachthimmel,
wie Perlen auf schwarzem, schwarzem Samt.
Putzt am Morgen
die Sonne
von unsichtbaren Nebeln frei.

2.Glück klebt wie Pech an uns.
Jede Last wird leicht.
Ohne Wenn und Aber
sagen wir Ja, zu dem was ist.
Aber nur heute!
Wer weiß vom nächsten Tag?

1.Wir heben unsere Hände
wie eine Schale empor.
Innen wie außen,
Blut, Schweiß und Tränen.
Alles rinnt uns durch die Finger …….
Stop!
Sie wird immer neu gefüllt.
  (aus: Claudia Mühlhans - „Der gemeine Zauber“)

Mai 2018

Die Flöte des Sommers
(La flûte d’été)

       
 Nur
die Flöte des Sommers
 weiß
  von dem Weiß
des federleichten Namens
der auf
unsere Windschutzscheibe
    fiel.

Juni 2018

Sommerreise

Ich überreiche dir
du überreichst mir
den Sommerblumenstrauß
gesammelt unter Wolkenherz und
Regenbogen.
Da sind die roten, roten Rosen,
saftig raschelnd im Tau.
Sonnenblumen rüsten sich
auf festen, grünen Stängeln.
An duftenden Hölzern
rufen Zikaden
so laut
wie das Blau im Meer
blitzt.
- Wir haben den Moment
zum Glücklichsein –
Am Abend kühlen
weiße Blütensterne
wie schäumendes Wasser
unsere Körper, die sind
so braun wie die Sonne sie schuf.
Nicht früher, nicht später.
Jetzt.

(aus: Claudia Mühlhans „Der gemeine Zauber“)

Juli/August 2018

Claudia Mühlhans

Die Leopardenwaschmaschine

 

Heute trage ich die Flecken

morgen lege ich sie ab

übermorgen bin ich

der Königin ihr Kind.

 

Ewig ruhen die Sterne

denen ich folge

wie Perlen

auf schwarzem Samt.

 

Sie werden sich daran gewöhnen

mich mit Flecken (oder ohne)

so, wie ich es will

glücklich zu sehen.

September 2018

Schwarze Puppen

Es gibt Tage im Januar

es gibt Nächte im August

da werden

unschuldig spielende

kleine Opfer

zu schwarzen Puppen

        -

Niemand schert sich

um haarlose Lippen

der widerliche Rhythmus

zwingt Herz schlag

zum Oh

Weh der Schwarzen Puppen

 

Gedichte aus 2017

Januar 2017

Untröstlich

Eine Entscheidung ist gefallen

so saust in unmittelbarer Nähe

ein Schwert herunter

zertrennt die Seide der Liebe

das Leinen der Pflicht –

Nichts bedeckt mehr

ihren Leib

kleide ich mit Küssen

im feinen Winkelmaß

des Seins –

Dann

ist sie nicht mehr

in meinem Wellenbereich

so weiß, so blau

so weit.

Februar 2017

An einem Tag im Januar

Die Liebe fiel –

stärker als der Tag –

wie ein Dolchstoß

in den Rücken mir

 

mit leichter Fechthand

hart wie zart

parier‘ mit Silberfingern

ich Glückspennys hier

 

auf mein täglich Brot

wickle es in Sonnenschein, so klar

und das war’s

an einem blauen Tag im Januar.

 März 2017  

Painting a word

 

Ich male Bilder mit Worten,

halte sie in der offenen Hand –

grazilen Einhörnern gleich,

verharren sie,

bereit, in jede Richtung zu fliehen –

ich erhasche hier einen Schweif,

dort eine schnaubende Nüster

(so zierlich und warm duftend),

plötzlich einen stampfenden Huf,

winzig wie der kleine Zehennagel

eines neugeborenen Kindes,

- ach, die ganze Herde passt

in eine Streichholzschachtel –

ungebärdiges Gesindel,

heute ist mit euch nichts anzufangen.

 

Ein einziges Exemplar ist bei mir geblieben,

zutraulich senkt es das gedrechselte Horn,

wie Mondlicht schwebt die Mähne

um die weiten Augen.

Schweigend frage ich nach dem Namen

Und das Geschöpf hinterlässt

Eine schimmernde Perlenschnur

In meiner Hand.

Morgentau ist heute so schön,

ein Versprechen auf morgen,

frisch wie der entstehende Tag,

beinhaltet Kühle, die der Wärme weicht,

in seinen Spiegeltröpfchen putzen sich Insekten

die Nacht vom Körper.

Morgentau ist das schönste Wort: weiß – rot – grün.

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

April 2017

Vogelsang

Wenn Du kämst

(aber Du kommst ja nicht)

picknickten wir

lautlosen Apfelkuchen

und

krachende Radieschen.

Keine Ameisen, keine Kinder

lassen wir auf die Decke krabbeln –

nur wir Zwei

nagen zierliche Hühnerbeine

vertilgen strengen Käse –

Liebesperlen auf Champagnerzungen

legen Schmetterlingsatem

in Deinen Mund –

Saftbeuteleien werden uns

nicht in den Rotwein

fallen –

der Blick Deiner grünen Augen

zerreißt den Himmel

durch die Blätter –

verstaue ihn behutsam

hinter Deinen Augenlidern und

wir werden wissen

wie Licht riecht

und Wind schmeckt –

Komm! - Wenn Du kämst …

(aber Du kommst ja nicht).

 

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

Mai 2017

Liebe

 

Ich kenn

ihn lang

schon fast zwölf Jahr

er hat sich nicht verändert –

doch ist er nicht

wie er mal war –

die Lider zart gerändert –

vom Leben mit sich

und mit mir

taucht er ganz langsam ein

in sich selbst

findet sich

und liebt sich –

nicht allein.

 

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

Juni 2017

Elvis war ein Kolibri

 

Jetzt

fällt der Flügelschlag

des Kolibris

auf das unerhörte Schweigen

der Luft –

elegant ins sirrende, schwirrende

Herz des Lichts.

 

Liebe

lässt uns runden

die Lippen

zum schmetternden Vibrieren

der Luft –

triumphierend geführt

zum goldenen Punkt.

 

Später

färbt kein Bogen das Licht

im Nichts

so rot, so rot, so rot

wenn unsere Köpfe neigen

an baumelnden Hälsen

so tot, so tot, so tot.

 

aus dem Gedichtband "Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber"

 Juli 2017

Der Juli trägt gelb

 

Weidenkörbe

honigwarm

gefüllt mit Kirschenrosen

Sonnenglast

die Luft voll Rahm

weiche Lippen kosen

Haut

die unter Strahlen

perlt.

 

Blätterrauschen

wisperzahm

gedämpft von grellem Sengen

Vögel huschen

flügellahm

zum Wasser, das jetzt

und für immer

unentwegt

glitzert.

 August 2017

Die Ballade von der Sally 4ever

1. Als Sally erfährt, dass ihr Mann sie betrügt,

    Mit einer jüngeren Kuh

    - Er ist ihr Dozent in Literatur

     Sie ist die Studentin dazu –

    Da trifft sie tiefinnen der Schlag.

    Und er hat mal geschworen, für immer nur Dein

    Sie erinnert sich genau an den Tag

    Die sirrende Nadel, das große Tatoo

    Sally 4ever soll’s sein.

 

2. Sie liebten sich innig und auch manchmal oft

    Dass Kinder entstanden, war gut

    Fliegender Wechsel in Vegas vom Ring

    Legitimierte die Liebesglut –

    Die Bank lieh Geld: Ein Haus, ein Muss.

    Und er schwor bei den Kindern, für immer nur Dein

    Sie spürt noch den besiegelnden Kuss

    Sie schlürfen das Leben, gelegentlich Wein

    Sally 4ever soll’s sein.

 

3. Es gehen die Jahre, die Häuser werden groß

    Die Kinder wachsen im Nu

    Sie lieben sich selten

    Doch beteuern’s sich oft –

    Als schauten sie ihrem eigenen Leben zu.

    Und er sagt zu ihr: Schatz, für immer nur Dein

    Sie spürt, er will seine Ruh’

    Sie sehen zusammen in des Fernsehers Schein

    Sally 4ever soll’s weiter sein.

 

4. Sie stellt ihn zur Rede: Wo ist die Liebe, Du?

    Er beteuert, das bedeute doch nichts

    Ein Mann rutsche nun mal aus ab und zu

    In dem komplexen Lebensgeflicht –

    Mit Würgen im Hals zeigt sie ein steinern’ Gesicht.

    Und er schwört auf den Knien, für immer nur Dein

    Sein Haar wird schon langsam licht

    Sie lässt sich auf Kompromisse ein

    Sally 4ever soll’s doch sein.

 

5. Erst weint sie, dann schreit sie, telefoniert

    Die Freundinnen stellen sich ein

    Verlass’ ihn, bleib bei ihm, sitz es doch aus

    Eine Frau wie Dich findet er nie –

    Noch mal, wie mag die Andere sein?

    Zweimal die Woche versichert er ihr: Ich bin für immer nur Dein

    Geht dann zu der Anderen

    Sie sitzt da und heult

    Sally 4ever allein.

 

6. Er blüht, sie welkt, die Kinder, sie flieh’n

    Da lädt sie die Andere ein

    Die kommt, sie ist jung

    Doch mehr ist sie nicht  

    Wie kann er nur so blöde sein?

    Und er sagt nicht mal mehr, für immer nur Dein

    Er grinst der Anderen zu

    Tätschelt den Schenkel, die patschige Hand

    Sally, soll’s immer so sein?

 

7. Und er holt seine Freundin ins glückliche Heim

    Die Arme leidet so sehr

    Das Haus ist doch groß, wir haben viel Platz

    Für die Nachbarn ist’s ein Aupair –

    Da schrumpft Sallys Liebe sich tot.

    Sie kann nicht mehr hoffen, für immer nur Dein

    Und stellt sich der inneren Not

    Trennt sich, nicht von ihm, aber schon

    Von Sally 4ever soll’s sein.

 

8. Sally kocht gut und sie kocht jetzt viel

    Schüttet listig Sahne und Fett

    Ins Essen der Nutte, der dämlichen Kuh

    Die frisst nämlich tüchtig was weg –

    In den weichen, schwammigen Schoß.

    Und er sagt jetzt wieder zu Sally, für immer nur Dein

    Sein Irrtum und die Reue sind groß

    Die Neue muss weg, der Reiz ist vorbei

    Sally 4ever soll’s wieder sein.

 

9. Und Sally packt der Kleinen ihr Zeug

    Der Mösenausflug ist zu End’

    Er reicht ihr einen Scheck, üppig wie Gold

    Die reißt ihn ihm aus den Händen –

    Dann ist sie fort, sie sind alleine zu Haus.

    Und er spricht unter Tränen, für immer nur Dein

    Sie sagt, morgen ganz früh ziehst Du aus

    Mein Herz gehört jetzt mir ganz allein

    Sally 4ever, so soll’s sein.

 

(aus: Claudia Mühlhans: „Der gemeine Zauber“)

 September 2017

Herbst am Bodensee

Wir fahren ins gelobte Land
von oben nach unten
in gerader Fahrt
durch wellige Straßen
mit Ausguck hier
und Ausguck dort
zur linken Seite zeigen Bäume
rote Apfelbäckchen
zur rechten kreuzen in
gemächlicher Eile weiße Schiffe
auf dem Seespiegel ins
ferne, fremde nebelweiße Ufer.

Doch bald jubiliert die Sonne
mit breitem, blauen Lachen
der See kichert Glitzerwellen
Fische springen
auf unsere Teller
in Butter gebraten
sind sie gut.

Ausguck hier
und Ausguck dort
durch weinrote,
sonnengelbe Blätter
wie Spitzengardinen
vor blauem Himmel, blauem See
gefällig arrangiert –
der Herbst lädt zu Gast,
breitet sein grünes, welliges Land
zu unseren Füßen
ist die Weinernte in vollem Gange,
wir prosten uns zu.
Ha – wir sind Gäste,
lassen Schmetterlinge um uns tanzen.

Und abends die Beine baumeln
oh, das Katzenkopfpflaster –
in dicken, weichen Kissen
schmecken unsere Küsse weich und würzig.

(aus Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber)

 Oktober 2017

Country roads

Haus, Herbsthimmel blau

Alle gingen, was bleibt jetzt

von all den Jahren?

  (aus Claudia Mühlhans: Der gemeine Zauber

 November 2017

Windspiel

Sagte ich dir schon,
dass der Wind wehen wird?
wie
ein Fuß, der eine feine Sandspur
hinter sich her zieht
wie
ein Kind, das an einem
Grashalm zupft
wie
ein offenes Fenster
Papier knistern lässt
wie
ein Hase
seine Schnupperhärchen putzt
wie
Wäsche duftend trocknet
wie
Birken anmutig wedeln
wie
Fichtenäste trocken knacken
wie
vom tiefsten Kellerstein
bis zum höchsten Dachziegel
das Haus erzittert
wie
der Schleppkahn
auf dem Flusse tanzt
wie
Timbuktus Sandbauten
zum Himmel aufstäuben
wie
die weiße Wand
Schiffe versenken spielt
wie
Küstenstädte Geschichte werden
wie
seltsam es sein wird
auf einem wüsten
Planeten
Mensch zu bleiben.
Wie?
Der Wind weht doch immer,
sagst du.

Dezember 2017

An alle Liebenden


Brecht alle Regeln –
die zehn Gebote, verlasst die Eltern,
esst die Teller nicht leer –
vergesst Arzttermine, lasst Freunde warten
begleicht Rechnungen nicht mehr.

Zählt nicht den Cent,
nicht Millionen
gebt Lottogewinn kein Gewicht.
Versetzt keine Berge, verletzt nicht die Bäume,
achtet der Bürgersteigkanten nicht –

Sülzt keine Worte
wünscht niemand ruhige Nächte
lasst hinter euch berufliche Pflicht -
wenn Glocken läuten, löst nicht deren Rätsel
schwänzt schwarze Priesterschicht.

Gehet zu dem
den ihr liebt -
hebelt das Himmelsgewölbe aus
werft weg Lichtschranken
schreitet hinaus –
zu dem, den ihr liebt.

(aus Claudia Mühlhans: „der gemeine Zauber)